Workshop-Kooperation zwischen Uni Münster und Erzieherklassen

In der Gruppe, geleitet von Larissa Knöchelman, Frieda Merrath und Paula Blumenschein (v.l.n.r.), ging es um „Sozialisation und Interaktion in der interkulturellen Kita“, im anderen Workshop mit Hannah Felske und Stephan Kreutzer um ein interkulturelles Training unter dem Thema „Kultur hat viele Gesichter“. In der Gruppe, geleitet von Larissa Knöchelman, Frieda Merrath und Paula Blumenschein (v.l.n.r.), ging es um „Sozialisation und Interaktion in der interkulturellen Kita“, im anderen Workshop mit Hannah Felske und Stephan Kreutzer um ein interkulturelles Training unter dem Thema „Kultur hat viele Gesichter“.

Am Montag, den 18.06.2018, hatten die angehenden ErzieherInnen der Unterstufenklassen aus der Fachschule für Sozialpädagogik einen „Unterricht“ der besonderen Art. Vier Studentinnen und ein Student von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster hatten sich auf den Weg nach Hattingen gemacht, um dort Workshops mit den beiden FSPUs zum Themenbereich Interkulturalität zu veranstalten.

Die Kooperation kam anlässlich des 2. Fachtags Inklusion in Kindertageseinrichtungen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe am Berufskolleg Hattingen am 19.01.2017 zustande. Dr. Bettina Lamm war auf Initiative von Abteilungsleiterin Mechthild Böker einer Einladung ans bkh gefolgt, um in diesem Rahmen einen Vortrag zu halten. Dr. Lamm ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Münster im Fachbereich pädagogische Psychologie. Nun veranstalten ihre Studentinnen und Studenten auf Anregung von StR Antonia Hübers an zwei Terminen am bkh workshops zu relevanten Themen der Erzieherausbildung. Für beide Seiten eine win-win Situation, denn die Studenten schreiben über ihre Workshops eine Hausarbeit und die ErzieherInnen profitieren von den für ihren Beruf wichtigen Inhalten und Methoden. Den Gästen aus Münster gelang es problemlos, eine angenehme und freundliche Arbeitsatmosphäre auf Augenhöhe zu schaffen. Gut vorbereitet, gut strukturiert und sicher im Stoff, so wirkten sie. Auf die Frage einer Fachschülerin, was sie denn in Münster genau studiere, erfuhr die Klasse von Hannah Felske, dass sie Psychologiestudentin im 6. Semester sei und bald ihren Bachelorabschluss mache. Im Rahmen des Studienganges habe man sich spezialisieren können. Sie habe den Bereich Pädagogik mit dem Schwerpunkt interkulturelle Kommunikation gewählt, den sie heute hier ebenso wie ihre Mitstudenten verträte.

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Zur Einführung in die Workshops hatten die Studenten praktische Übungen gewählt, die ein gegenseitiges Kennenlernen ermöglichten, aber gleichzeitig schon auf die jeweilige Thematik hinführten.

Im Trainingsmodul: Kultur hat viele Gesichter, geleitet von Hannah Felske und Stephan Kreutzer, ging es zunächst darum, wie sich die WorkshopteilehmerInnen anhand von Fragen selbst sahen: „Das bin ich, das bin ich nicht“ und im Anschluss daran reflektierten, wie es ihnen dabei ergangen und was besonders auffällig war.

Bei einer weiteren Runde ging es um die Fremdeinschätzung aller KursteilnehmerInnen durch die anderen Klassenmitglieder. Über verschiedene Fragen bei der Reflexion und weitere Spiele wurde der Kulturbegriff thematisiert. Denn die zentrale Frage, die sich aus dem Vorhergegangenen ergab, war die nach den Auswahlkriterien für die Einschätzungen und den Deutungsmustern.

w2 1024Im Familienspiel werden die eigenen Einschätzungs-, Deutungs- und Zuordnungsmuster erlebbar. Rechts im Bild: Stephan Kreutzer.

Mit Hilfe einer Definition des Begriffes Kultur gelangten die SchülerInnen im weiteren Verlauf zu der Erkenntnis, dass auch frühkindliche Entwicklung immer kulturell geprägt ist. Dass diese Entwicklung ein Anpassungsprozess an die physische und soziale Umwelt ist. Und dass dabei biologische, historische und kulturelle sowie kontextuelle Aspekte berücksichtigt werden müssen.

Da jeder Mensch unterschiedliche Entwicklungspfade durchläuft und folglich die kulturellen Identitäten auch sehr unterschiedlich sind, ist diese Diversität eine große Herausforderung. Das gilt ganz klar auch für ErzieherInnen im beruflichen Alltag. Die KursteilnehmerInnen wurden in ihrem Workshop angeregt, sich einmal die kulturelle Brille aufzusetzen und sich ein Stück weit ihrer eigenen kulturellen Prägungen sowie der Tatsache bewusst zu werden, dass jeder Mensch bereits im Kindesalter seinen eigenen kulturellen Stempel hat.

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Psychologiestudentin Hannah Felske

„Diese Erkenntnis macht den professionellen Umgang mit Kindern zu einer echten Herausforderung. Ich habe erkannt, dass nur ein sich Einlassen auf die Andersartigkeit der Mitmenschen, seien es Erwachsene oder Kinder, den Erziehungsprozess wirklich fördert. Von wie vielen Faktoren das abhängt und wie viele Faktoren dabei zu berücksichtigen sind, das war mir vorher nicht wirklich klar“, so das Fazit einer der angehenden Erzieherinnen. Also: Daumen hoch für diesen Workshop!

Im Workshop „Sozialisation und Interaktion in der interkulturellen Kita“


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wendeten sich Paula Blumenschein, Larissa Knöchelmann und Frieda Merrath (v.l.n.r.)

nach einem Einführungsspiel, das gemeinsame und verschiedene Standpunkte der TeilnehmerInnen zu verschiedenen Fragestellungen verdeutlichte, der Definition des Sozialisationsbegriffs zu, um anschließend die Sozialisationsziele bei Kindern zu thematisieren. Klar wurde: Diese Ziele werden durch die eigene kulturspezifische Denkweise der erziehenden Personen beeinflusst und haben Einfluss auf die Vorstellung von Menschen in Bezug darauf, wie diese Ziele zu erreichen sind. Sie haben auch Einfluss auf das Verhalten von Eltern und Erziehern und beeinflussen damit die kindliche Entwicklung. Inwiefern die kulturspezifische Denkweise sowohl relational- als auch autonomieorientiert ist und was das im Einzelnen bedeutet, erschloss sich den Teilnehmern anhand von theoretischen Ausführungen und praktischen Übungen. Auch in diesem Workshop spielte der von den Schülern unter Anleitung vorgenommene Perspektivwechsel eine wichtige Rolle um die Erkenntnis erfahrbar zu machen, dass der Blick durch die eigene Brille und die Fokussierung auf die eigene Sichtweise eine akzeptanzbasierte Interaktion verunmöglicht.

Im zweiten Teil des Workshops ging es dann um Interkulturalität und Interaktionsstile zwischen Kindern und ihren Bezugspersonen. Nach der Verdeutlichung der Bereiche, in denen sich eine derartige Interaktion vollzieht, wurden Mutter-Kind-Interaktionen in einer westlich-autonomiegeprägten Kultur wie in Deutschland mit denen in einer ländlichen nichtwestlichen und relational-orientierten Kultur am Beispiel von Kamerun verglichen. Klar wurde: Wenn ich als ErzieherIn um kulturellen Unterschiede weiß, kann ich sie entsprechend einordnen und im Umgang mit den Kindern sowie ihren Eltern berücksichtigen. Das macht eine interkulturelle Kita aus.

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Paula Blumenschein (Mitte) leitet eine Übung zu einem Videobeispiel an

Anhand von praktischen Videoeispielen, Szenarien und Übungen wurde diese Thematik in Gruppen vertieft und damit für die WorkshopteilnehmerInnen erlebbar gemacht.

Das Fazit: Als ErzieherIn sollte ich mir zunächst meine eigenen Sozialisationsziele bewusst machen. Bei Konflikten in der Interaktion sollte ich überlegen, ob sie mit der unterschiedlichen Sozialisation meines Gegenübers zusammenhängen können und dies bei meinem weiteren Vorgehen berücksichtigen.

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Zum Schluss noch ein Erinnerungsfoto mit lauter zufriedenen Gesichtern. Sie zeigen: Die Interaktion zwischen Workshopleitung und -teilnehmern hat auf jeden Fall gestimmt!

Übrigens ließen sich die drei Workshopleiterinnen durch den zwischenzeitlichen Totalausfall des Rechners im Forum und die damit verbundene Unterbrechung ihrer Veranstaltung nicht ansatzweise aus der Ruhe bringen und meisterten das Problem sowohl technisch als auch mental souverän. Wie selbstverständlich erfolgte zunächst ein Wechsel zur Tafel und zum Flipchart. „Wir sind auf den worst case vorbereit“, so der Kommentar von Frieda Merrath zum digitalen Gau. „Wir haben auch Folien und Ausdrucke für alle mit dabei.“ Echt profilike! Nach dem Anschluss eines Laptops ging´s aber dann doch wieder digital gestützt weiter. Noch ein Fazit: Super gemacht! Ihr könnt stolz auf euch sein!

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