Angehende ErzieherInnen mit „Lumbricus“ auf Gewässererkundung am Sprockhöveler Bach

Am Donnerstag, den 14.06. sowie am Freitag, den 15.06. 2018 rollt ein Ungetüm auf vier Rädern in die Idylle des Sprockhöveler Bachs „Am Kämpchen“ in Hattingen. „Lumbricus“ steht in dicken Buchstaben darauf. Das bedeutet „Regenwurm“. Von daher passt das mobile Umweltlabor doch irgendwie gut in das beschauliche Naturambiente, in dem es sich breitmacht.

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Bald ist der Lumbricus von einem Rudel Zweibeiner mit Gummistiefeln an den Füßen umzingelt. Am Donnerstag stellen sie sich bei Regina von Oldenburg, der Chefin und Chauffeurin des Lumbricus als „Qeks“ vor, die als berufserfahrene KinderpflegerInnen eine Weiterqualifizierung zu Erziehern machen. Am Freitag sind dann UnterstufenschülerInnen aus der Erzieherausbildung zu Gast. Ihre Fachlehrerin für Biologie, Kerstin Hagen, hat das mobile Umweltlabor für diesen Unterricht vor Ort gebucht. Gewässeruntersuchung ist das Thema.

Heute ist Regina von Oldenburg aber die Lehrerin und erklärt „ihren Schülern“ erst einmal das Konzept des Lumbricus. Als technisch hochwertig ausgestattetes rollendes Klassenzimmer und mobile Umweltstation unterstützt LUMBRICUS - der Umweltbus der Natur- und Umweltschutz-Akademie Nordrhein-Westfalen (NUA) - die schulische und außerschulische Umweltbildungsarbeit. Naturerfahrung, Erkundung von Lebensräumen oder Naturschutzprojekte stehen dabei im Vordergrund. Sie sollen den angehenden Erzieherinnen und Erziehern Möglichkeiten an die Hand geben, ihr erworbenes Wissen und ihre gewonnene Erfahrungen in der erzieherischen Arbeit mit Kindern einzusetzen und weiterzugeben. „Besonders schön wäre es, wenn es gelänge, die Kinder auf diese Weise auch für das, was in der Landschaft geschieht, zu begeistern. Denn im Zeitalter der Digitalisierung kommt der direkte Kontakt mit der Natur oft viel zu kurz. Und man kann die Liebe zur Natur nicht googeln“, so Regina von Oldenburg.

Der Umweltbus ist übrigens ein Schwergewicht von 7,5 Tonnen, 9 Metern Länge, 2,5 Metern Breite und 3,5 Metern Höhe – mit Laborplätzen, an denen die Studierenden nun Gewässerproben, die sie dem Sprockhöveler Bach entnehmen, analysieren und auswerten können.

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An einer großen Tafel, die einen Überblick über die in solchen Gewässern lebenden Tiere gibt, verschaffen sich die TeilnehmerInnen einen ersten Eindruck über Wasserbewohner, denen sie möglicherweise begegnen werden. Dann heißt es „Wasser treten“.

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Nach den entsprechenden Erläuterungen und gut bestückt mit Pinseln, Sieben, Salatschüsseln und Plastikbehältnissen geht´s ab in den Bach.

Plötzlich Quietschen und Geschrei: „Da ist was! Das gehört hier nicht hin! Eine Spinne! Zarter als ein Weberknecht! Er ist vom Baum ins Wasser gefallen“. Erfolgreiche Rettungsmaßnahmen werden eingeleitet. Eine Gruppe bestaunt einen türkis-metallisch schimmernden Käfer, der es sich auf einem Erlenblatt gemütlich gemacht hat. „Er gehört zu den Bewohnern im Bachbereich, weil Erlen oft an Bächen wachsen“, erklärt Regina von Oldenburg.

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Auch wenn es teilweise aussieht, als wären Goldwäscher am Werk: der Eindruck täuscht. Vielmehr werden vorsichtig Steine umgedreht, Siebe behutsam ins Wasser getaucht und dann leicht ausgepinselt, so dass das in ihnen eingefangene Kleingetier sanft in den mit Wasser gefüllten Behältern landet. Es muss sich noch etwas gedulden, bis es endlich einer mikroskopischen Untersuchung im Umweltbus unterzogen werden kann.

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Regina von Oldenburg(r.) leitet ihre Gewässerforscherinnen geduldig an. Biologielehrerin Kerstin Hagen (2.v.r.) dokumentiert die „Fundstücke“ genauestens.

Im Bus werden die „Fänge“ wie z.B. Flohkrebse, Eintagsfliegen- und Köcherfliegenlarven, ein Plattwurm und ein Schlammröhrenwurm an den Arbeitsplätzen unter der Stereolupe betrachtet. Der größte Gast im Sieb ist ein amerikanischer Flusskrebs. Die Existenz der kleinen Lebewesen lässt Rückschlüsse auf eine gute Qualität des Wassers zu, in dem sie leben.

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Eine Mischung aus Laborfeeling und Campingwagenatmosphäre

Regina von Oldenburg kann sie sogar für alle auf einem Flachbildschirm in zigfacher Vergrößerung sichtbar machen.

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„Was gucksu“? Die Eintagsfliegenlarve ist ein Indiz für gute Wasserqualität

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Hier ein besonders schönes Exemplar einer gerade geschlüpften Eintagsfliege mit modischen Plisséeflügeln. Dafür hat sie keine Mundwerkzeuge, kann also nicht fressen und muss folglich verhungern. Vorher müsste sie aber optimalerweise noch einen Partner zur Paarung finden um die Fortpflanzung zu sichern. Denn das ist ihre Aufgabe. Aber es regnet gerade draußen stark, so dass das Wasser ihre Flügel „verkleben“ würde. Das ist ihr Pech. Sie wird wohl sterben ohne Nachwuchs hinterlassen zu haben.

Am Ende des Forschungsprojekts werden die kleinen Untersuchungsobjekte vorsichtig wieder in ihren Lebensraum im Bach zurückgeführt. Dort dürfen sie sich erst mal von ihrem aufregenden Besuch bei Lumbricus erholen…

Für Regina von Oldenburg gibt´s am Ende ein durchweg positives Feedback. Sie sei eine wirklich gute Lehrerin mit hoher fachlicher und methodischer Kompetenz, so die einhellige Meinung, da sie als wandelndes Naturlexikon keine Antwort schuldig bliebe. Außerdem stelle sie schöne offene Impulsfragen, die viele Antwortmöglichkeiten zuließen. Das sei sehr motivierend. Dazu sei sie präzise in ihren Fragestellungen und Ausführungen. Sie habe auch ein gutes Gefühl für die nötige Menge an Erklärungen: Nicht zu viel und nicht zu wenig. Was besonders auffalle sei ihre Begeisterung und Freude für die Themen, die sie vermittele. „Das springt über, dem kann man sich nicht entziehen“.

Zum Schluss: Applaus und ein paar Kleinigkeiten als Dankeschön. Dass dazu ein Fläschchen mit leckerem flüssigen Inhalt gehört, ist eigentlich selbstverständlich. Denn als Gewässerkundlerin kann Regina von Oldenburg dessen Qualität kann ja erst mal genauestens untersuchen, bevor sie die Flüssigkeit vielleicht zur abendlichen Entspannung dann in ihre hauseigene Petrischale füllt…

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